Kennt ihr das? Ihr steht draußen, mitten im Herbst, und plötzlich überfällt euch dieses unkontrollierbare Gefühl: „Wow, das sieht ja aus wie in einem Kalender für romantische Waldspaziergänge!“ Überall raschelt es golden, rot, orange – als hätte sich Mutter Natur ein Pinterest-Board für Herbstfarben zusammengestellt. Alles wird weichgezeichnet wie durch einen Instagram-Filter mit dem Namen „Pumpkin Spice Latte“.
Aber halt – wenn man genauer hinschaut (also so richtig mit zusammengekniffenen Augen und einer Prise Detektiv-Enthusiasmus), dann merkt man: Da stimmt was nicht. Da bewegt sich was. Nicht viel, eher so, wie ein Promi ein schüchternes Statement rausgibt, aber immerhin! Es ist klein, wuselig, pelzig… und zack, weg. Habt ihr’s gesehen? Nein? Willkommen im exklusiven Club der vergeblichen Herbst-Wildlife-Beobachtungen.
Denn zwischen all dem Blätter-Bling-Bling, zwischen Ahornblatt-Ballett und Kastanien-Chaos, schleicht sich ein Wesen durchs Bild, das Meister der Tarnung ist: das Eichhörnchen. Genauer gesagt: DAS eine, unschuldig-liebevolle Instagram-Fotomotiv, das aber in Realität mehr Ninja ist als Kuscheltier.
Man muss sich das so vorstellen: Du schreitest durch das bunte Laubmeer, bereit für dein ganz persönliches „Ich bin eins mit der Natur“-Shooting. Vielleicht hast du sogar eine heiße Tasse Tee in der Thermoskanne dabei – natürlich mit Zimt, wer will denn nicht mit saisonalem Gewürzserum punkten? Und dann siehst du es!
Oder zumindest denkst du, du siehst es. Ein pelziger Schatten huscht über einen Baumstamm, ein buschiger Schwanz verschwindet im Dickicht wie ein schlechter Geheimagent, der beim Spionieren erwischt wurde. „Da! Ein Eichhörnchen!“ rufst du euphorisch, aber alle Blicke gehen ins Leere. Niemand hat es wirklich gesehen. War es echt? War es nur ein tanzendes Blatt auf Speed? Oder hat uns der Herbst etwa alle kollektiv in die Halluzination getrieben?
Und hier liegt der Trick: Das Eichhörnchen weiß, dass du es suchst. Es spielt das Spiel mit. Während du denkst, du führst die Kamera, führt es bereits Regie in einem Animal-Planet-Thriller mit dem Arbeitstitel „Versteckt zwischen Ahorn und Wahnsinn“. Vielleicht trägt es dabei sogar einen winzigen Tarnumhang aus Moos und Laub – man weiß es nicht, aber trauen würd ich’s ihm.
Der Wahnsinn ist ja: Du hast das Gefühl, das Ganze sei ein Rätsel. Wie in einem dieser Bücher, bei denen auf jeder Seite steht: „Finde den versteckten Gegenstand“. Nur dass du eben im echten Leben stehst, mit nassen Socken und einem langsam erkaltenden Tee, der jetzt eher nach Enttäuschung als nach Zimt schmeckt.
Aber wisst ihr was? Genau das ist das Großartige daran. Es geht nicht wirklich ums Finden. Es geht darum, dass du draußen bist, dass du Farben atmest (ja, Farben – herbstliche Farbpartikel sind ein anerkannter Stimmungsmacher, auch ohne medizinische Zulassung), dass du lachst, fluchst, suchst, hoffst – und dabei lebendig bist. Zwischen den Blättern und dem gelegentlichen Hundehaufen (die gehören leider auch zur Natur, Überraschung!) fühlst du dich plötzlich… frei.
Anyway, das Eichhörnchen. Vielleicht entdeckst du es doch noch. Vielleicht sitzt es da, jetzt gerade, über dir auf einem Ast, mit einer lässigen Nuss in der Pfote und einem fiesen Grinsen auf dem pelzigen Gesicht, weil du schon seit zehn Minuten versuchst, seinen verschwundenen Schatten im fünften Blätterhaufen rechts einzufangen.
Fakt ist: Das Eichhörnchen ist nicht weg. Es ist nur besser in Tarnung als dein Ex beim Geburtstagsessen deiner Mutter. Es hat keine Lust, in deinem Reel aufzutauchen oder sich für dein Herbst-Theme fotografisch prostituieren zu lassen. Es ist frei. Wild. Und offenbar genauso müde vom Selfie-Wahn wie der Rest der Tierwelt.
Also gönn ihm die Pause. Trink deinen Tee, lass dein Handy in der Tasche und genieße die Farben. Vielleicht blinzelt es ja irgendwann aus einer Astgabel und nickt dir zu – und genau dann weißt du: Du hast es gefunden. Nicht nur das Eichhörnchen, sondern den verdammten Herbstmoment.
Fazit mit Augenzwinkern? Wer ein Eichhörnchen inmitten von Herbstlaub entdecken will, braucht nicht nur Adleraugen, sondern auch eine ordentliche Portion Humor – und idealerweise kein Bedürfnis nach schneller Belohnung. Der Herbst ist eben keine Safari, sondern eher ein poetisches Wimmelbild mit eingebauter Geduldsprobe. Aber hey – so bleibt wenigstens was für nächstes Wochenende übrig. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wer weiß das beim Eichhörnchen schon genau?
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