Also, seien wir mal ehrlich – wir alle haben diese Momente, in denen eine Kleinigkeit uns komplett aus dem Gleichgewicht haut: Die Kollegin kaut zu laut, jemand schneidet uns auf der Autobahn oder der Partner sagt im exakt falschen Tonfall „Ist doch nicht so schlimm“. Zack, innerlich kündigen wir alle sozialen Bande und fantasieren über das Leben als Einsiedler mit WLAN. „Boah, das hat mich so getriggert!“ – kommt uns dabei leicht über die Lippen. Aber Hand aufs Herz: War das wirklich ein Trigger oder einfach nur dein Nervensystem, das Kaffeepausen streikt?
Denn ja, triggern klingt fancy, ein bisschen nach Therapie, Selbstreflexion und emotionaler Intelligenz deluxe. Aber der Begriff hat einen ziemlich ernsten Hintergrund. (Spoiler: Es geht nicht darum, dass dein Lieblingssushilieferant mal wieder Ingwer vergessen hat.)
Trigger vs. Aktivierung – das unsichtbare Duell
Stell dir Trigger und Aktivierung mal wie zwei Schauspieler in einer überdramatischen Soap vor: Beide bringen große Emotionen auf die Bühne, aber ihre Backstorys könnten nicht unterschiedlicher sein.
Ein Trigger ist wie ein besonders dramatischer Altstar – er bringt Vergangenheit mit. Viel Vergangenheit. Und jedes Mal, wenn etwas ihn an seine alten Dramen erinnert, betritt er mit Tränen in den Augen die Bühne. Du hast dich gerade über eine harsche Kritik im Job geärgert? Wenn du plötzlich das Gefühl hast, dein Chef hat in deinem emotionalen Tagebuch rumgeblättert und Erinnerungen an den schrecklichen Mathelehrer von ’97 wach werden – Gratulation, das war ein Trigger.
Triggers sind wie diese geheimen Schalter in deinem Inneren, die mit einem harmlosen Klick (ein Geruch, ein Satz, ein Lied) ein ganzes Feuerwerk an Emotionen zünden. Angst, Wut, Trauer – oft gefühlt völlig überdimensioniert zur aktuellen Situation. Aber hey, dein innerer Regisseur hat da eben noch eine alte Szene aus dem Trauma-Archiv reingeschnitten. Oscarreif, leider.
Und was ist Aktivierung? Die ist bodenständiger. Kein Altstar, sondern eher so der genervte Praktikant im Gefühls-Support-Team. Aktivierung passiert hier. Jetzt. Kein Flashback, kein Drama – einfach dein Nervensystem, das auf Stress reagiert, weil z. B. jemand deine Snacks gegessen hat. (Unverzeihlich, aber keine Kindheitstrauma-Kategorie.)
Aktiviert sein heißt: Dein System läuft heiß, weil eine aktuelle Situation deine Grenzen touchiert. Deine Freundin sagt kurzfristig eure Verabredung ab? Das nervt. Dein Chef will den Bericht eine Woche früher? Der Puls steigt. Aber hey, du bist noch voll ansprechbar, kannst antworten ohne zu schreien (im besten Fall). Voilà – Aktivierung!
Warum das Ganze überhaupt unterscheiden?
Weil’s hilft – wirklich! Triggern und Aktivieren fühlen sich zwar ähnlich an („AHH! Wieso reg ich mich so auf?!?“), haben aber unterschiedliche Wurzeln. Trigger wachsen in alten Wunden, im seelischen Blumenkasten von Gestern. Aktivierung? Die sprießt aus dem Frust von heute.
Wenn wir alles pauschal als Trigger abstempeln, laufen wir Gefahr, unsere Reaktionen ständig zu pathologisieren. Manchmal ist man halt einfach genervt. Und das ist okay! Nicht jeder Gefühlsausbruch ist eine Tragödie in fünf Akten, manchmal ist’s nur der ganz normale Montagswahnsinn.
Ein kleiner Ausflug ins emotionale Innenleben
Stell dir dein Nervensystem wie einen übermotivierten Wachhund vor. Bei Aktivierung bellt er vielleicht kurz, läuft nervös im Kreis, stellt die Ohren auf – aber beruhigt sich auch wieder, wenn du ihm sagst, dass nur der Postbote da war. Bei einem Trigger hingegen? Da steht der Hund nicht nur auf der Couch, er hat sich einen Baseballschläger besorgt, bellt auf Latein und hat plötzlich Flashbacks an das Donnerwetter von 2004.
Trigger sind tückisch, weil wir oft gar nicht merken, weshalb wir gerade völlig überreagieren. Und zack, stehen wir in der Küche, werfen mit Tupperdeckeln und denken uns: „Halt, Moment – was IST hier los?!“. Willkommen im Abwehrmodus deluxe – dein Gehirn denkt, du wirst gerade ernsthaft bedroht. (Bist du natürlich nicht – du wolltest nur Spaghetti machen und dein Partner hat die falsche Soße gekauft.)
Der Trick: Lernen, unsere inneren Fehlalarme zu erkennen. Wenn du merkst, dass dich Emotionen komplett überrollen und du dich fühlst wie eine Hauptrolle in einem Katastrophenfilm, könnte der Übeltäter ein Trigger sein. Wenn du hingegen „nur“ schlechte Laune hast, weil jemand nicht zurückschreibt – wahrscheinlich einfach dein aktives, aber nicht traumatisiertes Nervensystem.
Was tun? Tief durchatmen. Kaffee. Oder Tee. Oder beides. Und dann: Reflektieren. (Ja, klingt unsexy, hilft aber!)
Fazit à la Emotionen für Anfänger:
Nicht jeder Seufzer ist eine Krise, nicht jedes Aufregen ein Rückfall in düstere Kindheitserinnerungen. Manches ist einfach… Alltag. Wissen, ob wir gerade triggered oder nur getouched sind, bringt uns ein gutes Stück weiter auf dem glorreichen Weg zur emotionalen Mündigkeit. Also – beim nächsten „Ich raste gleich aus!!!“-Moment: Erst denken, dann schimpfen. Oder halt einfach überreagieren, aber wenigstens dabei schmunzeln. Auch eine Form der Selbstfürsorge.
In diesem Sinne: Möge euer innerer Drama-Star nur auftreten, wenn’s wirklich Preisverdächtig ist. Und ansonsten: Atmen. Lächeln. Schnaps – optional.
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