Naomi Campbell gewinnt Berufung: Das überraschende Comeback im Charity-Skandal
Naomi Campbell darf wieder Charity-Treuhänderin werden. Ein britisches Tribunal hat die fünfjährige Sperre gegen das Topmodel aufgehoben – und damit eine Geschichte beendet, die irgendwo zwischen glamouröser Benefizveranstaltung, juristischem Krimi und ziemlich teurer Hotelrechnung spielte.
Naomi Campbell gewinnt vor Gericht
Als ich die Nachricht gelesen habe, musste ich kurz schlucken: Naomi Campbell, eine der berühmtesten Frauen der Modewelt, hat ihre Berufung gegen die Sperre als Charity-Treuhänderin gewonnen. Das Tribunal kam zu dem Schluss, dass die schwerwiegendsten Missstände bei ihrer Stiftung Fashion for Relief vor ihr verborgen worden waren.
Die Organisation war einst mit einem durchaus beeindruckenden Ziel gegründet worden: Geld für Menschen in Not zu sammeln und Hilfsprojekte zu unterstützen. Klingt nach einer klassischen Win-win-Situation – schöne Kleider, große Namen, gute Sache. Nur leider wurde daraus im Laufe der Zeit eher ein Fall für Aktenordner, Anwälte und die Frage: Wo ist eigentlich das Geld geblieben?
Luxushotel, Spa und Zigaretten sorgen für Ärger
Die britische Charity Commission hatte Naomi Campbell im Jahr 2024 für fünf Jahre davon ausgeschlossen, als Treuhänderin einer Wohltätigkeitsorganisation tätig zu sein. Hintergrund waren erhebliche Probleme bei der Verwaltung von Fashion for Relief. Unter anderem sollen Stiftungsgelder für einen Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel in Cannes, Spa-Behandlungen, Zimmerservice und sogar Zigaretten ausgegeben worden sein.
Ganz ehrlich: Bei einer Charity erwartet man vieles – aber eine luxuriöse Wellness-Rechnung mit Zigaretten auf der Ausgabenliste gehört wohl eher nicht zu den Punkten, die man im Jahresbericht unter „besonders gelungen“ hervorhebt. Da bekommt der Begriff „Gutes tun und dabei gut aussehen“ plötzlich eine sehr merkwürdige Nebenbedeutung.
Zusätzlich soll eine frühere Mit-Treuhänderin, Bianka Hellmich, unrechtmäßige Zahlungen erhalten und Dokumente gefälscht haben. Das Tribunal stellte nun fest, dass Hellmich wichtige Vorgänge verborgen und professionelle Berater sowie die Charity Commission getäuscht habe. Naomi Campbell sei an diesen schwerwiegendsten Vorgängen nicht beteiligt gewesen und habe davon nichts gewusst.
„Ich habe der falschen Person vertraut“
Campbell hatte während der Anhörung erklärt, ihr einziger Fehler sei gewesen, einer Person zu vertrauen, die sie für eine qualifizierte Juristin gehalten habe. Das ist natürlich eine bittere Erkenntnis – besonders, wenn man nicht gerade eine private Kaffeekasse, sondern eine internationale Charity mit großen Spendensummen verwaltet.
Das Gericht stellte allerdings auch klar: Es gab durchaus organisatorische Versäumnisse. So war Campbell mitverantwortlich dafür, dass die Stiftung ihre Finanzberichte nicht fristgerecht einreichte. Das Tribunal sah darin jedoch keinen ausreichenden Grund, sie unter den konkreten Umständen weiterhin als ungeeignet für eine Treuhänderrolle einzustufen.
Ein Freispruch mit Fußnote
Wichtig ist deshalb: Naomi Campbell wurde nicht einfach von jeder Kritik freigesprochen. Die Stiftung hatte tatsächlich gravierende Probleme, und die Charity Commission hatte ihre Entscheidung auf Grundlage der damals verfügbaren Informationen getroffen. Das Gericht bewertete später jedoch, dass die zentralen Missstände durch Täuschung einer anderen Person vor Campbell verborgen worden waren.
Für das Model ist das Urteil dennoch ein großer persönlicher Erfolg. Ihre fünfjährige Sperre ist aufgehoben, und damit kann sie grundsätzlich wieder als Charity-Treuhänderin tätig werden. Ob sie sich freiwillig noch einmal in einen Vorstand setzt, der aus mehr Drama besteht als eine komplette Staffel einer Realityshow, bleibt allerdings offen.
Mein Fazit: Naomi Campbell hat vor Gericht gewonnen, aber die Geschichte zeigt auch, wie schnell Glanz und gute Absichten ins Wanken geraten können, wenn Kontrolle und Transparenz fehlen. Eine Charity braucht eben nicht nur prominente Namen und elegante Galas, sondern vor allem saubere Buchhaltung, klare Verantwortlichkeiten und Menschen, die bei einer Rechnung für Zimmerservice auch mal kritisch die Augenbraue heben.
Die Modewelt darf also aufatmen: Naomi Campbell ist rechtlich wieder im Charity-Spiel. Diesmal hoffentlich mit deutlich mehr Kontrolle über die Belege – und vielleicht etwas weniger Spa auf Stiftungskosten.
Quellen und weiterführende Informationen:
AP News: Naomi Campbell gewinnt Berufung gegen Sperre als Charity-Treuhänderin
The Guardian: Naomi Campbell gewinnt rechtliche Anfechtung der Charity-Sperre
Reuters: Naomi Campbell gewinnt Berufung gegen Charity-Verbot