Martha Stewart und das Halloween-Kostüm, das völlig nach hinten losging
Wenn der Halloween-Gag plötzlich im Hals stecken bleibt
Ich beichte es gleich: An Halloween erwarte ich normalerweise Vampire, laufende Kürbisse und, ganz mutig, Leute, die als sie selbst am Montagmorgen gehen. Was Martha Stewart am 31. Oktober 2026 auf Instagram gepostet hat, hat mich aber ehrlich sprachlos gemacht.
Die 85-jährige US-Lifestyle-Ikone hatte sich als obdachlose Person verkleidet: zerrissene Klamotten, ein Gesicht, das aussah, als wäre es gründlich verdreckt worden, dazu eine Mütze und ein Schild mit „I AM HUNGRY HELP ME!!“. Sie stellte sich damit vor eine top gepflegte Hausfassade und zeigte nebenbei ihre Kerzenkollektion. Ich habe zweimal hingeschaut. Nicht, weil das Kostüm so genial gewesen wäre, sondern weil ich dachte: Moment, das soll jetzt Werbung sein?
Das Netz blieb erwartungsgemäß so gelassen wie ein Chihuahua neben dem Staubsauger. Binnen kürzester Zeit prasselte die Kritik los. Viele warfen Stewart vor, Armut und Obdachlosigkeit als Verkleidung zu missbrauchen, und das auch noch in einem Werbepost für Kerzen. Das hatte ungefähr so viel Fingerspitzengefühl wie eine Champagnerreklame direkt neben der Suppenküche.
Erst die Erklärung, dann die Entschuldigung
Stewart löschte den Beitrag, erklärte aber zunächst, sie habe mit dem Kostüm mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Obdachlosigkeit lenken wollen. Sie sei „bestürzt“, dass sich Menschen davon beleidigt fühlten, und verwies auf ihr Engagement für Organisationen, die gegen Obdachlosigkeit kämpfen.
Ich verstehe ja, wenn jemand ein ernstes Thema anpacken will. Aber zwischen „Aufmerksamkeit schaffen“ und „Menschen in einer miesen Lebenslage als Halloween-Requisite vorführen“ klafft eine ziemliche Lücke. So groß, dass selbst ein Einrichtungsprofi sagen würde: Da fehlt noch ein ganzes Zimmer.
Besänftigt hat diese erste Erklärung die Gemüter jedenfalls nicht, was mich null überrascht. Wer sich über eine verunglückte Aktion ärgert, will nicht als Erstes hören, dass alles nur gut gemeint war. Das ist, als würde man jemandem auf den Fuß treten und sagen: „Ich wollte nur mal testen, ob du noch etwas spürst.“
Später kam dann ein zweites Statement, und das war deutlich selbstkritischer. Sinngemäß schrieb Stewart, es sei schwer, einen echten Fehler zuzugeben. Ihre erste Stellungnahme sei nicht weit genug gegangen. Das Kostüm sei unsensibel und nicht lustig gewesen, dafür entschuldige sie sich.
Warum dieses Promi-Drama so viele Leute aufregt
Klar kann man fragen, ob der Wirbel um ein gelöschtes Instagram-Foto nicht übertrieben ist. Täglich verschwinden Millionen Posts im digitalen Nirwana, vermutlich auch jede Menge Ringlicht-Selfies, die keiner vermisst. Hier geht es aber um mehr als ein missglücktes Kostüm.
Es geht um die Perspektive. Für viele ist Obdachlosigkeit keine Rolle, die man ein paar Stunden überstreift und dann sauber zusammenlegt. Sie ist eine reale, belastende Lebenssituation. Genau deshalb wirkte der Auftritt auf viele so weltfremd, zumal die Lebenshaltungskosten steigen und die wirtschaftlichen Sorgen wachsen.
Dazu kommt der Rahmen: Stewart ist eine enorm erfolgreiche Unternehmerin und eine der bekanntesten Lifestyle-Persönlichkeiten der USA. Wenn sie sich als „hungrig“ inszeniert und nebenbei Produkte bewirbt, wirkt das zwangsläufig schief. Die Botschaft sollte offenbar sensibilisieren, landete aber eher bei: „PR-Team, bitte alle einmal kollektiv unter den Tisch.“
Mein Fazit: Gute Absicht ist kein Freifahrtschein
Ich finde es richtig, dass Stewart nachgelegt und klar gesagt hat, ihr Kostüm sei unsensibel und nicht lustig gewesen. Eine echte Entschuldigung schlägt die übliche Promi-Floskel „Es tut mir leid, falls sich jemand verletzt gefühlt hat“ um Längen. Dieser Satz hat ungefähr so viel Wärme wie ein Kühlschrank im Winter.
Sind damit alle Kritiker versöhnt? Eher nicht. Das Internet vergisst bekanntlich nie etwas, außer vielleicht, wo es gestern sein Ladekabel hingelegt hat. Trotzdem zeigt der Fall deutlich, dass Prominente bei sozialen Themen besonders genau hinsehen müssen. Nicht jede ernste Botschaft taugt als Verkleidung, und nicht jede provokante Idee wird automatisch eine gelungene Kampagne.
Für mich gilt deshalb eine simple Halloween-Regel: Hexe, Vampir oder überdrehter Promi, alles okay. Aber echte Not bitte nicht als Kostüm benutzen. Das Leben ist auch ohne Kunstblut dramatisch genug.
Quellen und weiterführende Informationen zur Martha-Stewart-Halloween-Kostüm-Kontroverse:
ABC News – Martha Stewart apologizes for homeless person Halloween costume
NBC News – Martha Stewart responds to backlash over ‘hungry’ homeless Halloween costume
The Guardian – Martha Stewart says she ‘really screwed up’ after dressing as homeless person for Halloween