Marius Borg Høiby vor dem Berufungsgericht: Zwischen Freispruch und härterem Urteil
Während ich mich Anfang Februar meistens noch frage, wo eigentlich meine guten Vorsätze abgeblieben sind und wieso sich der Januar jedes Jahr aufs Neue wie drei Monate am Stück anfühlt, sieht der Terminkalender bei Marius Borg Høiby ganz anders aus: Am 9. Februar 2027 geht für den Sohn von Königin Mette-Marit der Ernst des Lebens in die nächste Runde. An diesem Tag startet nämlich sein Berufungsverfahren – und glauben Sie mir, das wird alles andere als ein entspannter Plausch vor Gericht.
Für Høiby geht es jetzt ums Eingemachte. Wird das alte Urteil gekippt? Kommt er mit einem blauen Auge und einer milderen Strafe davon? Oder brummt man ihm am Ende sogar noch mehr Zeit hinter Gittern auf als die bisherigen vier Jahre? Ein kriminologisches Drama allererster Güte – nur eben im echten Leben und völlig ohne Popcorn-Romantik.
Neues Gericht, neues Glück? Wie der Fall aufgerollt wird
Blicken wir kurz zurück, denn der Fall hat eine ordentliche Vorgeschichte: Im Juni 2026 kassierte Marius Borg Høiby vor dem Bezirksgericht Oslo eine vierjährige Haftstrafe. Die Liste der Vorwürfe war lang – sage und schreibe 34 Straftaten standen im Raum. Darunter extrem schwere Anschuldigungen wie zwei Vergewaltigungen, häusliche Gewalt gegen eine Ex-Partnerin, Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie diverse Drogendelikte.
Høiby streitet die Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfe vehement ab. Zusammen mit seinen damaligen Anwälten legte er Berufung ein, weshalb das Urteil in den strittigen Punkten bisher nicht rechtskräftig ist. Bis zum Prozess bleibt er in Untersuchungshaft – ein Dauerzustand, den ich mir in etwa so charmant vorstelle wie einen dreistündigen Wurzelbehandlungs-Marathon beim Zahnarzt.
Jetzt wandert die Akte weiter zum Berufungsgericht Borgarting. Dort rollt eine komplett neue Mannschaft das Feld von hinten auf: Zwei Berufsrichter und fünf Laienrichter bilden das siebenköpfige Gremium. Diese sieben Köpfe müssen nun sämtliche Beweise und Argumente noch einmal völlig unvoreingenommen sezieren.
Sieben Richter und eine mathematische Hürde
Die Spielregeln in diesem Verfahren haben es in sich: Damit ein Schuldspruch aufrechtzuerhalten ist, müssen mindestens fünf der sieben Richter zustimmen. Und als wäre das nicht schon knifflig genug, muss unter diesen Befürwortern mindestens ein Berufsrichter sein. Das klingt fast wie die Zusatzaufgabe in einer TV-Gameshow – nur steht hier keine Traumreise auf dem Spiel, sondern jahrelange Freiheit.
Im Fokus der Neuverhandlung stehen nach aktuellen Angaben vor allem die Beweise zu drei zentralen Schuldsprüchen, gegen die Høibys Anwälte Sturm laufen. Er bekommt also die reale Chance, diese Entscheidungen anzufechten und womöglich ins Wanken zu bringen. Ob das klappt? Das entscheidet sich an den Zeugenaussagen, neuen Beweisen und der juristischen Abwägung der Richterbank.
Ganz ehrlich: Ich finde diese Konstellation hochspannend. Eine Berufung ist eben kein stures Abnicken der ersten Instanz. Die Karten werden neu gemischt, was Hoffnung machen kann – aber genauso gut nach hinten losgehen kann.
Das Risiko: Warum es am Ende noch bitterer kommen könnte
Das eigentliche Pokerspiel für Høiby liegt nämlich darin, dass keineswegs nur seine Verteidigung in die Berufung gegangen ist. Die Staatsanwaltschaft fand die vier Jahre Knast offensichtlich viel zu milde und fechtet das Urteil ebenfalls an. Sollte das Gericht Borgarting den Schuldsprüchen folgen, könnte der Richterhammer diesmal noch deutlicher herabsausen und die Strafe nach oben schrauben.
Für den Angeklagten ist das eine echte Nervenprobe. Reduzierung? Bestätigung der vier Jahre? Oder doch der Express-Zuschlag nach oben? Diese drei Szenarien machen deutlich, auf was für einer juristischen Achterbahnfahrt Høiby da unterwegs ist.
Ein Teilerfolg bedeutet noch lange keinen Freifahrtschein
Selbst wenn Høibys Verteidigung bei den angefochtenen Hauptpunkten triumphiert, spaziert er nicht einfach als freier Mann aus dem Gerichtssaal. Gegen eine ganze Reihe anderer Verurteilungen gibt es nämlich gar keine Berufung. Dazu gehören Delikte wie Drogenbesitz, Gewalt, Drohungen sowie das mehrfache Missachten eines Kontaktverbots gegenüber seiner ehemaligen Partnerin.
Sein neues Anwaltsteam will nun mit frischen Zeugen und zusätzlichen Beweismitteln auffahren. Bis zum geplanten Ende der Verhandlung im März 2027 bleibt die Lage extrem dynamisch.
Ich hüte mich jedenfalls davor, hier Orakel zu spielen. Wer bei so vielen Vorwürfen, zwei Instanzen und einer neu besetzten Richterbank Vorhersagen trifft, könnte genauso gut das Wetter für den nächsten norwegischen Frühling prophezeien: Es kann sonnig werden, aber man sollte den Anorak lieber griffbereit halten.
Klar ist nur: Ab dem 9. Februar 2027 schlägt die Stunde der Wahrheit für Marius Borg Høiby. Bis das finale Urteil gesprochen ist, gilt für alle nicht rechtskräftigen Punkte selbstverständlich weiterhin die Unschuldsvermutung.
Erfahren Sie mehr über die Hintergründe bei Se og Hør sowie in der Berichterstattung von NRK.